betrifft Frauen

Interessantes, Neues, Wichtiges für Frauen

In  unserem neuen Forum wollen  wir  ein Mal im Monat über ein Thema schreiben, das  Frauen angeht und Frauen betrifft.

Dabei  wird es  darum gehen, über Frauen in besonderen Situationen zu berichten: wie erleben sie ihre Situation? Wie gehen sie damit um? Was bedeutet es für Angehörige und Familie?

Es  werden auch Einrichtungen vorgestellt,  die Frauen aufsuchen, um Hilfen zu bekommen oder sie in bestimmten Lebenssituationen begleiten.

Wir  versuchen damit mehr Aufmerksamkeit für frauenspezifische Themen zu erreichen  und Ihnen, lieben  Leserinnen und Lesern,  Informationen und Anregungen zu geben.

Gerne dürfen Sie uns ein Feedback geben!

Vielleicht brennt  Ihnen aber auch ein Thema unter den Nägeln, dann lassen Sie es uns wissen!

Über einen regen Austausch freuen wir uns

 

 

September 2019

Geburtshaus – eine Alternative zur Klinik?

In Zeiten von Klinikschließungen und Stress im Krankenhausalltag stellen sich immer mehr Schwangere die Frage, wo kann ich eigentlich mein Kind gut umsorgt zur Welt bringen?

Schließlich ist gerade die Geburt so eine grundlegende und emotionale Erfahrung im Leben einer Frau, da sollte alles passen. Stress, Hektik und Fremdbestimmung, was man oft im Krankenhaus erlebt, sind da fehl am Platz. Was Frauen brauchen sind Nähe, Einfühlungsvermögen, Vertrauen, Sicherheit, eine schöne Atmosphäre :einfach das Gefühl „ hier bin ich gut aufgehoben“!

Doch was gibt es für Alternativen?

Da ist zunächst mal die Hausgeburt zu nennen, die es schon immer gab. Erst in den 50er Jahren setzte der Trend zur Klinikgeburt ein.

Nach wie vor sind es heute aber nur 1% der Frauen, die sich für eine Hausgeburt entscheiden. Das scheint also nicht für jeden eine Alternative zu sein.

1987 entstand in Berlin die Idee, ein Geburtshaus zu gründen. Hierbei handelt es sich um außerklinische Einrichtungen, die von Hebammen geleitet werden.

Sie kümmern sich um die Frauen vor und während der Geburt. Ein Arzt ist nicht anwesend. Nach der Entbindung verlassen die Frauen das Geburtshaus wieder nach einigen Stunden und werden zu Hause von einer Nachsorgehebamme weiter betreut.

Mittlerweile gibt es mehr als 120 Geburtshäuser in Deutschland, eine genaue Zahl kann der Hebammenverband dazu nicht angeben.

Doch die Idee scheint anzukommen.

Seit 2011 gibt es auch in Koblenz das Geburtshaus „Hebiana“. Gegründet wurde es aus einer privaten Initiative heraus von drei Hebammen: Agnes Böhm, Angela Bold-Beltran und  Brigitta Kamella.

Sie wollen umsetzen, was den meisten Frauen in der Klinik fehlt: Selbstbestimmung bei der Geburt. Schließlich weiß jede Frau selber am besten, was ihr gut tut, und was ihr helfen kann, in welcher Position oder mit welchen Hilfsmitteln sie ihr Kind zur Welt bringen will.

Insbesondere will man keine Nummer sein, die irgendwo in der Hektik der Klinik ein Kind bekommt. Ganz zu schweigen davon, dass man eigene Wünsche oder Bedürfnisse hat. „ Der Unterschied zur klinischen Entbindung ist,“ so Brigitta Kamella , „ dass es keine Intervention in den Geburtsverlauf gibt.“

Das heißt, das Kind kommt selbstbestimmt zur Welt, die Geburt wird nur mit natürlichen Mitteln unterstützt. Die Schwangere wird in der Regel nur von einer Hebamme betreut, die sie schon im Vorfeld kennen gelernt hat.  Dadurch hat sich schon Vertrauen und Nähe aufgebaut.

Schaut man sich einmal im Geburtshaus um, kann man sich sofort heimisch fühlen; da ist es fast so wie zu Hause: keine sterile Umgebung, eher eine Wohlfühlatmosphäre. Da fängt die Geburt schon viel entspannter an.

Doch für viele ist natürlich auch die Sicherheit ein wichtiger Punkt bei der Wahl für die Entbindung. Da hat die Hebammenpraxis Hebiana eine Kooperation mit der Klink Kemperhof, die sich ganz in der Nähe befindet. Sollte es unter der Geburt zu Komplikationen kommen, werden die Frauen sofort in den Kemperhof gebracht. Sind im Vorfeld schon Probleme zu erwarten, werden die Schwangeren direkt an die Klinik verwiesen.

Das Geburtshaus ist gefragt, ca. 120 Geburten pro Jahr können die 5 Hebammen, die bei Hebiana arbeiten, aufweisen. Da liegt es nahe, dass sich Interessierte schon recht früh für eine Entbindung dort anmelden sollten.

Die Kosten werden von den Krankenkassen übernommen, die im Geburtshaus deutlich niedriger sind als im Krankenhaus. 

Trotz alle positiver Erfahrungen spricht sich die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe ( DGGG) gegen das Geburtshaus aus: die Klinik sei alternativlos, so beurteilte es Prof. Klaus Friese, Präsident der DGGG im Deutschlandfunk. Für ihn und für viele Gynäkologen geht es dabei um die Frage: wie beherrsche ich den Notfall? Wann muss ein Kaiserschnitt gemacht werden, oder wie was mache ich bei einer akuten Blutung? Da sei das Krankenhaus besser aufgestellt, so die Meinung der DGGG.

Doch wie die Statistiken belegen, ist der Kaiserschnitt im Krankenhaus sechsmal so häufig und es wird auch mal schneller ein Wehenmittel eingesetzt, denn Zeit hat man in der Klinik nicht und eine Geburt braucht seine Zeit.

„ Die ganze Betreuung ist viel persönlicher, ich war nicht alleine während der Entbindung und hatte keine Angst“, so erzählt es Frau. F., die ihre zweite Geburt im Geburtshaus erlebt hat. Ihre erste Entbindung war im Krankenhaus , wo die Mediziner bestimmt haben, wie die Geburt verläuft und  Frau F.  sich ziemlich hilflos gefühlt hat. „ Im Geburtshaus war es für mich ein total anderes Geburtserlebnis“, so schildert sie es heute.

Nicht ohne Grund entscheiden sich vor allem viele Zweitgebärende für das Geburtshaus , nachdem sie negative Erfahrungen bei der der ersten Entbindung in der Klinik gemacht haben.

Letztendlich muss aber jede Frau für sich selbst abwägen, wo und wie sie ihr Kind zur Welt bringen will. In der Regel haben sich die Schwangeren, die im Geburtshaus entbinden, gut informiert. Sie wissen, worauf sie sich einlassen und entscheiden sich bewusst für diese Alternative.